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Donau-Radweg 1

Von Donaueschingen nach Passau (595 km)

Die Donau ist nicht einfach einer der großen Flüsse Europas. Mit 2.888 Kilometer ab der Breg-Quelle, 2.845 Kilometer ab Zusammenfluss Brigach, Breg und Donauquelle in Donaueschingen, ist sie neben der Wolga (mit 3.534 Kilometer Länge der längste Fluss Europas) die größte Wasser­ader dieses Kontinents, tausend Kilometer länger als der Rhein und ihr Einzugsgebiet ist beinahe vier Mal so groß wie das des Rheins. Sie berührt zehn Staaten und war lange die wichtigste Völkerstraße zwischen Südrussland, Zentralasien und Mitteleuropa. Begleiten wir die noch junge Donau auf ihrem Weg durch Deutschland, von ihrem Ursprung bis nach Passau. Im Schwarzwald nordwestlich von Furtwangen notiert das Kartenblatt in blauen Buchstaben ein simples Wort: „Donauquelle”. Verfolgt man den Bachlauf weiter auf der Karte, so findet man bei der Ortschaft Zindelstein erstmals eine Bezeichnung für das quirlige Gewässer, nämlich „Breg”, ein Name, den es bis zur Stadt Donaueschingen behalten darf. Hier schlängelt sich vom Norden aus der Gegend um Triberg ein weiteres Flüsschen namens Brigach heran: Wo die beiden schmalen Gewässer sich vereinigen, beginnt nun die Bezeichnung, die, mit landessprachlichen Abwandlungen, für gut 2800 Kilometer bis zum Schwarzen Meer gleich bleibt: die Donau. In Donaueschingen, so paradox dies klingen mag, endet die Donau: Sie ist der einzige europäische Fluss, deren Kilometrierung stromaufwärts gemessen wird. Im 19. Jahrhundert haben die Donaueschinger eine pompös eingefasste Donauquelle errichtet. Eine Marmorskulptur über dem Quellteich zeigt die Donau als zartes Mädchen neben einer Frauenfigur, welche die Baar darstellt, jenes liebliche Hügelland, das sich ringsum erstreckt. Die Baar weist der Tochter den weiten Weg zum Meer. Der Eindruck, den der Ursprung eines so bedeutenden Flusses machen könnte, wird aber bald gemindert, denn das Wasser der „verbrieften” Donauquelle verschwindet so rasch wie es auftaucht zwischen Gitterstäben und zwängt sich in unterirdische Rohre. Kaum hat die junge Donau hinter Donaueschingen ihre silbernen Mäander in das weite Ried gelegt, stellen sich ihr bei Immendingen die Ausläufer der Schwäbischen Alb entgegen. Diese bestehen aus durchlässigem Jurakalk, und so kann man vom Flussufer aus ein aufregendes Schauspiel erleben: Von geheimnisvollem Rauschen und Gurgeln begleitet, werden die Fluten der Donau von den ausgewaschenen Klüften des weißen Jura fortgesaugt und kommen erst 12 Kilometer weiter wieder zu Tage. Die Ufer der Donau bieten ein abwechslungsreiches Szenario. Das mittelalterliche Mühlheim etwa schaut mit dem Enzbergischen Schloss und der merkwürdigen St. Galluskapelle auf den Fluss. Der Stiegelesfelsen, auf dem viele seltene Vögel und Pflanzen beheimatet sind, erhebt sich kahl und zerklüftet über dem Talgrund. Bollwerke und Fluchtburgen begleiten die Donau, wo immer sie sich den Weg durchs Gebirge bahnen muss. Die mächtige Anlage des Klosters Beuron wurde vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer entworfen. In der nahen Burg Wildenstein hauste einst der trinkfeste Graf Gottfried von Zimmer, der sich 1528 wegen der Pest auf die Burg zurückzog und dort nicht nur dem Schwarzen Tod, sondern auch den Bauernkriegen entkam. Schloss Werenwag hingegen hat eine erfreulichere Vergangenheit, um 1260 verfasste dort der Minnesänger Hugo von Werenwag seine Verse. Im nahen Kreenheinstetten wurde 1644 ein ähnlich redegewandter Mann geboren: der Prediger Johann Ulrich Megerle, der später in Wien als Abraham a Sancta Clara seine Zuhörer hinriss. Jede der Burgen bietet einen anderen Ausblick in das von der Donau in den Jura eingegrabene Tal, jede hat eine bewegte Vergangenheit. Bei Inzigkofen wird das Tal allmählich breiter, in Sigmaringen, der alten hohenzollerischen Residenz, ist noch einmal hoch über dem Gewirr altersbrauner Dächer das Urbild einer stolzen Burg zu sehen. Dann darf die Donau in einem weiten Tal ihre Schleifen ziehen, bei Ulm bleibt die Schwäbische Alb zurück. Auf dem Weg ins Ingolstädter Becken führt Sie Ihre Tour durch landschaftlich herausragende Flussabschnitte, wie z. B. durch das Naturschutzgebiet Leibi bei Günzburg, durch unberührte Auenlandschaften, durch Donauriede und vorbei am Donaumoos. Auch liebreizende Orte wie Dillingen, Gundelfingen oder die Renaissance-Stadt Neuburg liegen in diesem Abschnitt. Bevor Sie zum canyonartigen Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kelheim gelangen, passieren Sie noch das Städtchen Vohburg mit Befestigungsmauern und Stadttoren. Ab Regensburg ist der Fluss schiffbar. Hier mündet über das Altmühltal der Rhein-Main-Donau-Kanal ein, der über 18 Stufen und Schleusen durch die Oberpfalz und Franken führt und die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet. Ab Regensburg, der nördlichsten Donaustadt, verändert sich das Tal. Im Norden reichen die Ausläufer des Bayrischen Waldes an den Fluss, im Süden erstrecken sich fruchtbare Lösserde­böden. Die „Dreiflüssestadt” Passau schließlich gilt seit altersher als eine der schönsten Städte Deutschlands. Den Beinamen erhielt sie wegen ihrer einmaligen Lage am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Bis Passau ist die Donau ein Fluss. Jetzt wird sie zum Strom.

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